3 min read

Regeln, Befindlichkeiten und 33.474 Euro DayDrinking

Regeln, Befindlichkeiten und 33.474 Euro DayDrinking

Die Frage ist, warum Du es machst.

Seit Ende letzten Jahres öffnen wir den Löwen ab 13:00 Uhr am Samstag. „DayDrinking" wird der Profi denken! Wir nennen es Après Midi. Aber die Essenz ist die gleiche: die Lust, am Tag zu trinken.

Und sie wird aktuell erfolgreich angenommen. Ich habe die DayDrinking-Samstage 2026 ausgewertet. Es gab 33 Stück. Ich glaube, ich habe nur einen verpasst. Sonst bin ich da immer. Samstags ist für mich „Chef-hat-Doppeldienst"-Tag. Und ich liebe es.

Ca. 33.474 € Nettoumsatz haben wir aktuell an den Samstagsstunden von 13:00 bis 17:00 Uhr generiert. Ganz genau kann ich es nicht sagen, denn unser Lightspeed-Kassensystem lässt keine genaue Auswertung von Teilstunden eines Geschäftstages nach Brutto und Netto zu. Ich habe nur die Gesamtbruttosummen der Stunden und angenommen, dass wir hier den üblichen 2–3 % Food-Anteil haben.

Im Schnitt sind das „nur" etwas über 1.000 Euro netto pro Samstag in der Zeit von 13.00 bis 17.00 Uhr. Interessant ist allerdings die „5. Stunde", von 17:00 bis 18:00 Uhr. Denn während das Geschäft früher sehr ruhig anlief, ist der Laden jetzt „aufgewärmt" und wird in dieser Zeit oft zum ersten Mal richtig voll.

Bislang schwankt das Geschäft noch stark. Es gab einige, wenige ruhige Samstage. Aber auch einige sehr starke, an denen wir bereits bis 18:00 Uhr bis zu 2.500 € Nettoumsatz generiert haben. Es gab sogar zwei Samstage in der dunklen Jahreszeit ohne Terrasse, an denen die Bar bereits kurz nach 15 Uhr so voll war, dass es keine Sitzplätze mehr gab.

Von den Zahlen her lohnt sich der zusätzliche Umsatz bereits jetzt im Kleinen und generiert Gewinn. Sicherlich: Am Tage gilt unsere „Green Hour"-Karte, wo es 10 Le-Lion-Klassiker, inklusive Gin Basil Smash, für knapp 12 Euro gibt – was den Wareneinsatz entsprechend erhöht. Aber andererseits zeigt sich immer mehr, dass die Gäste am Tag extrem entspannt sind und wirklich genießen. Flaschenchampagner, trockene Martinis, gute Drinks.

Die Stimmung am Samstagnachmittag ist meiner Meinung nach eine der besten, die ich selbst und die Bar je erlebt haben. Und das liegt eindeutig an den Gästen, die – anders als am Samstagabend um 22:30 Uhr – keinen „Druck" haben, sondern sich sehr lässig dem kleinen Tagesrausch hingeben.

Der Après Midi ist wirtschaftlich bereits ein Erfolg. Und er wächst.

Emotional ist er aber bereits ein ganz großer Erfolg. Denn er macht gute Laune. Uns. Aber viel wichtiger: den Gästen.

Aber wichtig ist: die richtigen Einstellung zu haben. Also als Anbieter. Das habe ich heute wieder kurz vor 13:00 Uhr gedacht. Meine Frau und ich haben ab ca. 12:45 angefangen, die Terrasse aufzubauen. Um 12:50, Abfegen gerade fertig, die Stühle sollten raus, kamen zwei Gäste: „Können wir schon draußen sitzen?"

Es gibt meiner Meinung nach zwei Möglichkeiten.

Typ 1: Genervt sein. („Ey, alter, bist du blöd – du siehst doch, dass wir die Terrasse noch aufbauen" denken) und, wie es heute leider üblich ist, am besten noch ein dümmliches Instagram-Video machen, wie doof die Gäste heute sind …

Oder Typ 2: Bock haben. „Klar, kein Problem, setzt euch schon mal." Tisch bringe ich sofort. Kissen dazu.

Wasser bringen, Karte bringen. Reden, gute Laune verbreiten.

Ich habe – ohne wissenschaftliche Untersuchung hierfür – das Gefühl, dass Typ 1 leider in der Gastronomie weit verbreitet ist. Als Chef gilt: Untragbar.  Kritikgespräch führen? Sicher das Gastronomie der richtige Beruf ist? 

Wenn man selbst so ein Chef ist: eventuelle Branche wechseln?

Mit Typ 2 kann man Daydrinking gewinnbringend veranstalten. Und im Prinzip jedes Drinking. Und jede Bar und Gastronomie zum Gewinn bringen. Denn DayDrinking ist, wie jede Form der Gastronomie: ein Lebensgefühl.

Und ich freue mich sehr, das der Aprés Midi bei uns im Löwen am Samstag so stark gelebt wird. Die Zahlen sind gut für das erste Jahr. Und ja, die PErsonalkosten sind ein Mittelwert. Es arbeiten drei PErsonen am Samstag bis 18.00 Uhr, ca. 2,5 Stunden sind dazu noch Vorbreitung.

Das Samstags "Daydrinking", zumindest wenn ich 17-18 Uhr mit rein rechne, macht schon jetzt ca. 7,7% meines Gesamtumsatzes der Bar aus. Gab es vorher nicht. Und ein großer Vorteil: Die Termine sind im Team beliebt. Wer Samstag früh arbeitet, hat Samstags abends frei.

Ich möchte das ausbauen. Über den Winter soll der Samstags Nachmittag weiter wachsen, ein Freitag Nachmittag eventuelle dazukommen.

Die Trinkgewohnheiten haben sich geändert. Die Arbeitsgewohnheiten, Home Office sei u.a. Dank, auch. Der Freitag ist das nächste Ziel

P.S.: Ich habe neue Termine für #BunterNachmittag im kleinen Kreis mit mir online gestellt. „Meyer mixt Tokyo“. Viele Tagestermine am Freitag und Samstag sind leider schon ausgebucht, aber an ein paar Samstagen sind wieder Tickets für die DayDrinker frei geworden. Hier geht's zu den letzten Terminen …

CTA Image

MEYER MIXT TOKYO

Zu den Tickets ...